Give It A Name 2010
Eines Tages. Eines Tages würde es soweit sein. Ich würde Sum 41 sehen. Live. Irgendwann.
Ich weiß nicht warum, aber in all der Backstreet Boys- und Britney Spears-Zeit war mein Lieblingslied, soweit ich mich zurückerinnern kann, immer schon “Fat Lip” von Sum 41. Damals war mein Alter gerade mal zweistellig geworden. Heute bin ich 19 Jahre alt und kann es endlich sagen; das, worauf ich seit 9 Jahren gewartet habe: Ich habe Sum 41 live gesehen.
Angefangen hatte alles durch den Newsletter von Marco Magharai. Da schreibt er einfach so in einem Nebensatz, dass Sum 41 beim heurigen Give It A Name-Festival in Wien mitspielen. Ohne mit der Wimper zu zucken – vermutlich. Nur so ganz beiläufig. Als ob das nichts Besonderes wäre. In meinem Kopf spielten sich die verschiedensten Szenarien ab: Gibt es eine andere Band, die zufällig genauso heißt? Ist es vielleicht nur ein Scherz? Denn weder im Sum 41-Tourplan, noch auf der Arena-Homepage war etwas davon zu lesen. Also hieß es warten. Karten wurden präventiv trotzdem gekauft. Man weiß ja nie.
Und dann die große Ankündigung, die gar nicht so groß war: Sum 41 spielen de facto am Give It A Name. Bitterer Beigeschmack: nicht als Headliner. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht verstehe. Stattdessen schickt man AFI an den Start, eine Band, die in den letzten Jahren schon des Öfteren in Österreich performt hat.
Nach 50-tägigem Countdown-Zählen und verschiedensten Plänen für den Abend war es dann am 20. April 2010 soweit. Ab nach Wien, ab in die Arena. Das Festival startete mit den Österreichern No More Encore, einer Band, die leider viel zu wenig für ihre wirklich mitreißende Musik geschätzt wird. Danach noch ein wenig zu Story Of The Year gerockt war es schnell soweit: Sum 41 sind an der Reihe. Das Banner wird hochgezogen, die Menge tobt, es wird immer enger. Als Stevo32 dann die Bühne betritt und zu seinen Drums schreitet, ist klar, dass es diesem Konzert nicht an Moshpits, Wall of Deaths oder Circle Pits mangeln wird. Als alle Bandmitglieder auf der Bühne stehen, geht die Party so richtig los.
Die ersten Songs sind geprägt von Gegröle und enthusiastischem Springen – alles, wie es sein soll. Doch als Deryck eine Aussage macht, wird die Menge zu einer undefinierbaren, sich bewegenden Masse: “Now let’s go for some of the old shit”. Yes.
Fat Lip, In too deep, Motivation, Still Waiting, Makes No Difference; all die Lieder aus der Kindheit und frühen Jugend werden nur wenige Meter entfernt live performt. Von DER Band. Von Sum 41.
Doch wie es mit dem Co-Headliner-Dasein so ist – der Gig ist viel zu schnell vorbei. Die Menge tobt, schreit, kreischt – aber keine Chance auf großartige Verlängerung.
Aus grenzenloser Affinität heraus fühle ich mich fast gezwungen das zu sagen: Es war unbeschreiblich; ein unvergleichbarer Auftritt.
Nicht nur einmal musste ich mir im Vorfeld anhören, dass Sum 41 – um es freundlich auszudrücken – nicht gerade den reifsten Punkrock machen, den es gibt. Die Grundsteine des klassischen Punkrock haben sie wohl nicht gelegt. Kinderpunk quasi. Immer mit dabei, bei diesen Aussagen: Ein leichtes, fragendes Lächeln, wie eine solche Band denn meine Lieblingsband sein könnte.
Es ist durchaus richtig, dass Sum 41 weder harten Rock, noch traditionellen Punk machen. Haben sie nie, werden sie nie – brauchen sie aber auch nicht. Sum 41 waren schon immer auf der unterhaltsamen FunPunk-Schiene unterwegs und haben diese – zumindest bei Live-Konzerten – auch nie verlassen. Zugegeben, mit Chuck fanden viele getragene, schwerfällige Balladen ihren Platz in der Diskografie, aber das schmälert in keinster Weise all die animierenden, mitreißenden Songs von früher.
Welcher heutige Newcomer im Bereich von Poprock, Poppunk oder Funpunk gibt nicht Sum 41 als eine seiner Vorbilder-Bands an? Sum 41 und Blink 182 sind wohl die prägendsten Rockbands meiner/unserer Jugend und werden diesen Stellenwert auch nie verlieren.
