20 Gründe, den HC-Comic “Der Blaue Planet” nicht zu mögen

6. Juni 2009 at 15:21 (Uncategorized)

Der Off-Topic-Eintrag sei mir verziehen, aber seit Erscheinen eines wohlbekannten publizistischen – nun ja – Produktes brennt mir einfach zu viel auf der Seele, als dass ich es für mich behalten könnte.

Hier also meine persönlichen Gründe, warum der HC-Comic weder ernstzunehmen, noch akzeptabel ist:

1.) Ein gewisser Herr schickt uns mit dem Comic einen Brief mit persönlicher Anrede. Und er duzt uns. Ich könnte mich nicht erinnern, ihm das Du-Wort angeboten zu haben. Aber das sei ihm vergeben, er ist doch unser Kumpel und ist genau wie wir. Das will er uns doch erklären, oder?

1.) Auf dem Titelblatt prangt uns verheißungsvoll “Band 1″ entgegen – soll das heißen es wird noch mehr geben? Bitte nicht.

2.) Man blättere einmal auf. “Das vorliegende Heft ist keine Parteiwerbung.” Ja ne, is klar.

3.) Ebenfalls auf dieser Seite kommt uns zum ersten Mal Stra-Che entgegen. Nun ja, wenn er mit Che Guevara verglichen werden möchte, bitteschön.

4.) Auf Seite 7 zeigt das obere Bild ein Wesen, das anscheinend einen Österreicher verkörpern soll. Einen typischen Österreicher. Mit Zigarette im Mund, grillend, mit Burschenschaftsmütze. Auf nachfolgenden Seiten häufig Bier trinkend.

5.) Auf dem unteren Bild sehen wir dann zum ersten Mal den HC-Man und seine Gefährtin. Nackt im Wasser, na klar, was sonst.

6.) Auf Seite 8 tritt uns die EU als fettes Schwein entgegen.

7.) Seite 10 zeigt uns mit dem vorletzten Bild, dass anscheinend auch tote Zepter rauchen. Wer nicht. Blöd nur, dass zwei Bilder später das Schwein erklärt, dass in der EU das Rauchen verboten ist.

8.) Seite 13 lässt ihn mir diesen leicht säuerlichen Geschmack hochsteigen. Der HC-Man vertreibt ganz cool und lässig den “Alten” und erklärt ihn, dass er sich “schleichen soll”. Ein Bild später steht ein Adonis-artiger HC-Man vor uns, wie ihn die Natur geschaffen hat, die entscheidenden Partien wie bei der David-Statue mit Blättern verdeckt.

9.) Die Aufgaben seiner Gefährtin werden auf Seite 14 ziemlich deutlich dargestellt. Ohne Unterwäsche ist sie einfach nur da, um nackt zu sein. Diese wirklich ehrenvolle, zutiefst schwierige Aufgabe meistert sie auch auf den folgenden Seiten konsequent bravourös.

10.) Seite 15 – Was will uns der Verfasser dieses Comics mit der Beschuldigung, das Tierchen habe das Geld gestohlen, über die Österreicher sagen?

11.) Auf Seite 16 werden wir dann zum Mitsingen angeregt – ob es dieses Lied auch bald als Rap gibt?

12.) Der Bierkonsum des HC-Man auf Seite 20 bringt mich zum Grübeln. Aber er ist ja auch nur ein Österreicher. Und so sind wir ja nun mal.

13.) Die darauffolgende Hommage an die KronenZeitung entbehrt wohl jeglicher Beschreibung.

14.) Seite 38 hat es auf die Grünen – entschuldigung, die grünen Klone – abgesehen. Mit dem Slogan “Heimat im Herzen, Scheisse im Hirn” schläft so ein Männchen in einer Toilette, während es furzt.

15.) Seite 39 hat mich persönlich etwas schockiert. Mag man gewissen Parteien ohnehin eine gewisse Verbundenheit mit Ereignissen, die ziemlich genau 70 Jahre her sind, zuschreiben, aber mit dem Spruch “Seisslond Werreke” ging man hier eindeutig zu weit (man beachte das Doppel-S).

16.) Kann mir bitte irgendjemand Seite 41 erklären? Warum räkelt sich die Frau lasziv vor dem HC-Man, wieso liegt sie so auf einem Haufen Etwas und wieso endet das Gespräch in einem Liebesangebot? Ich verstehe es schlicht und einfach nicht. Nicht nur, dass es unnötig wäre, diese Szene einzubauen, sie ist noch dazu schlecht gemacht.

17.) Auf den nächsten Seiten werden Menschen ausgepresst, österreichische Goldesel abgezapft, Fässer voller Bier getrunken und zwei Menschen, die eigentlich ein Mensch sind, freunden sich an. Der graue Planet eben.

18.) Auf Seite 57 pinkelt das EU-Schwein in einen Eimer, der auf dem Rücken eines Schwarzen steht. Bei allem was Recht ist: es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf, sogar auf diesem Niveau noch.

19.) Dieser Platz geht an absolut alle Fußnoten, die sich durch den Comic ziehen. Vom Beschuldigen übers Lächerlichmachen bis hin zu schlichten Falschaussagen – alles findet hier seinen Platz.

20.) Zu erwähnen sind natürlich auch die Rechtschreibfehler, die man mit genügend Plätzen bedacht hat.

Mir stellt sich also die Frage: für wie blöd werde ich von diesem Comic gehalten? Denn offensichtlich soll er mich ansprechen. Ich darf seit zwei Jahren wählen, gehöre also wahrscheinlich noch am ehesten zur Gruppe der Wechselwähler. Soll mich dieses Ding, dieser Comic, dazu bewegen eine bestimmte Partei zu wählen, die auf der letzten Seite erwähnt wird?

So ganz hat das nicht funktioniert. Dieser Eintrag soll kein Angriff auf die FPÖ sein, keineswegs, aber durch solche Maßnahmen der “Wahlwerbung” (auch wenn dies dementiert wird), vergrault mich diese Partei für alle Zeit als Wähler. Es geht nicht um deren Wahlprogramm, das sei hier ganz außer Acht gelassen, denn allein durch deren Selbstdarstellung vergeht mir die Lust, mich überhaupt mit dem Programm zu befassen.

Liebe FPÖ, so bitte nicht.

2 Kommentare

  1. Verena_S sagte,

    Erstmal Respekt, dass du es bis zum Ende geschafft hast! Ab Seite 20 hab ich den Comic nur mehr überflogen und das hat mir schon mehr als gereicht! Dank dir kenn ich jetzt auch die Details des Comic und deine Zusammenfassung bzw. deine Gründe haben mir gezeigt, dass es kein Schaden war, den Comic nur zu überfliegen. Ich weiß einfach nicht, was sich besagte Partei dachte/ denkt, wenn sie “uns” (das persönliche Schreiben und duzen fand ich ja extrem nervig..mit 21 als Jungwähler zu zählen, obwohl 3 Wahlen hinter mir, reicht ja schon, da muss ich nicht noch geduzt werden wie ein Kind) so etwas präsentiert?! Der Comic ist untergriffig und extrem schlechte Wahlwerbung. Ich hoffe in Zukunft, so etwas nicht mehr zugeschickt zu bekommen.

  2. artistin sagte,

    Howdy Argusauge ;)

    Brav, brav, was du da alles entdeckt hast!

    Erstmal: Der Comic ist es sicher nicht, der dich für blöd hält (viel eher ist es besagte Partei).
    Dass dich die FPÖ damit vergrault, ist auch ganz klar. Grundsätzlich vergraulen solche Dinger wohl immer “Leute wie uns” (sagen wir mal so, weiß nicht wie ich das sonst ausdrücken könnte). Das Problem ist nur, dass sich andere – und das in Massen – von sowas ansprechen lassen – das “geil”, “lässig” oder “vui witzig” finden. Dass “da Strache recht hot, mia brauchen die EU neit, und die Ausländer scho goa neit” finden diese Leute auch nur zu gern.

    Was mich schockiert ist, dass man glauben müsste, unsere (aufgeklärte) Generation, die ja frei alles durchblickt und die Hintergründe kennt, hätte aus der Vergangenheit gelernt. Ja, man müsste sogar denken, dass sich Österreich vor derlei Gedankengut eigentlich hüten sollte, aber ja. Dem ist nicht so.
    Es ist auch vermutlich nur mehr eine Frage der Zeit bis wir die Rechnung für die österreichische Ignoranz präsentiert bekommen.

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