Die mexikanische Grindcore-Wette
Es war eine dieser Wetten, bei der man wirklich etwas tun muss, anstatt einfach nur ein Ergebnis abzuwarten. Es ging darum, ob ich mir den Namen einer bestimmten Grindcore-Band aus Mexiko merken kann. Klingt an und für sich nicht nach einer besonders großen Herausforderung.
Aber es ist durchaus kein leichtes Unterfangen, sich Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis einfach mal so nebenbei zu merken. Bei mir bedurfte es einer mehrzeilig beschrieben Karteikarte und eines freien Abends bis ich die Wette gewonnen hatte.
Meine Freude war natürlich groß – wusste ich doch insgeheim, wieviel Glück ich gehabt hatte, mir nicht deren Liedtitel “Uroporfironogenodescarboxilandome Y Pustulandome Con Tu Anorgasmita Exaclorobencenosisticarial Sexo Traumatizante” merken zu müssen.
Der Name ist oft das erste, was wir von einer Band kennen und vermittelt uns meist einen (un)bewussten ersten Eindruck. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich einer Band automatisch Stil und Klang zuordne, nur wenn ich den Namen höre. Bei “Slut” dachte ich nicht an einen jungen Mann, der softe Musik macht, sondern an eine kreischende Punk-Frontfrau. Bei “Disco Ensemble” dachte ich nicht an Post-Hardcore, sondern an Disco-Rhythmen wie die der “neueren” Madonna. Oder wer denkt bei “Fettes Brot” – vorausgesetzt man würde sie nicht kennen – schon automatisch an eine Band?
Auch wenn Künstler uns oft mit ihren Namen verwirren, weil wir absolut konträre Musik erwarten, gibt es manche Bands, deren Musik man sofort erahnen kann. Seien wir ehrlich, viele metallastigen Bands haben einen (vermeintlich) lateinischen oder griechischen Namen (Equilibrium, In Extremo, Pantera, etc.). Die “richtigen” alten Punkbands haben ein “The” im Namen (The Clash, The Who, The Damned, etc.). Hiphopper dagegen haben oft ein “lil” oder “big” vorangestellt (Lil’Kim, Lil’BowWow, etc.). Dass sich ein typischer Name in eine dafür untypische Musikrichtung mischt, ist mir bisher noch nicht untergekommen (beweist mir gerne das Gegenteil).
Neben den klassischen Namen (seien sie musiktypisch oder nicht), gibt es aber auch noch jene, die so dermaßen außergewöhnlich, anders oder einfach nur peinlich sind, dass die Band selbst ihn manchmal gar nicht mehr haben will. Simon & Garfunkel haben “Tom and Jerry” hinter sich gelassen. Queen haben auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bestimmt nicht mehr auf “Smile” gehört. Und wer Pink Floyd noch “Tea Set” nennt, der macht sich die Musiker wohl nicht zu seinen Freunden.
Eine kleine deutsche Band kämpft zurzeit auch sehr mit ihrem Namen. Zurecht, denn bei “Itchy Poopzkid” steigert sich die musikalische Erwartung wohl nicht besonders. Auf vielen Konzerten witzeln sie darüber, wer denn auf die bescheuerte Idee kommen sei, sich so zu nennen – sei es nun ernst gemeint oder nicht.
Doch Itchy Poopzkid haben sich im deutschsprachigen Raum mittlerweile trotz ihres Namens einen Namen gemacht. Diesen jetzt noch zu ändern wäre mit Sicherheit nicht förderlich für den Aufstieg auf der Karriereleiter. Denn ab einem gewissen Berühmtheitsgrad, ist der Name ohnehin egal. Bands können noch so lustig heißen, sobald man Musik hat, mit der man sie verbindet, nimmt man den Namen gar nicht mehr wirklich wahr. “Jimmy Eat World“, “Die Toten Hosen“, “Alien Ant Farm“, wer von uns denkt da noch genau nach, was der Name bedeutet?
Das Finden eines Bandnamens ist wahrscheinlich ein sehr langwieriger Prozess, der von viel Streit und Argumenten geprägt ist. Und so kann es natürlich auch passieren, dass dann ein Bandname wie “No use for a name“, ein Songtitel wie “Damn, we need a title for this song” und ein Album wie “Insert Album Title Here” entstehen.
guggib sagte,
12. Mai 2009 um 18:15
Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis ist ein toller name
Florian Figl sagte,
25. Mai 2009 um 20:50
Den richtigen Bandnamen zu finden ist in der Tat nicht sehr einfach. So hießen “Einundzwanzig” (Newcomer-Band aus St. Pölten, nominiert für Austrian “Newcomer” Award) anfangs “Node” und wollen ihn mittlerweile bereits ein zweites Mal ändern – weil die Sprache ihrer Songtexte ebenfalls zum zweiten Mal gewechselt hat. Finde ich sehr amüsant, wenn auch riskant. Zu oft sollte man den Namen nicht wechseln…
Hier ein Itv., falls es interessiert: http://www.newsboard.at/index.php?nid=374
Übrigens: Kennst du die Geschichte, wie 3 Feet Smaller zu ihrem Namen gekommen sind?
ghostini sagte,
25. Mai 2009 um 21:08
Ja das Interview hab ich schon gelesen, als braver Newsboard-User versteht sich das ja von selbst
Genau meine Meinung, sobald man auch nur einen Fan gefunden hat, dürfte man eigentlich den Namen schon nicht mehr ändern. Finde das auch immer sehr verwirrend, wenn z.B. iO (ex Guano Apes) steht, obwohl das ja gar nicht die lieben Apes sind.
Die 3 Feet Smaller-Geschichte kenn ich noch nicht! Ich hab nur mal im Interview von Markus wissen wollen, wie er wirklich heißt, aber er hat drauf bestanden Smaller zu heißen ^^
Freut mich übrigens sehr, dass es dich von Newsboard hierher verschlagen hat!
Florian Figl sagte,
25. Mai 2009 um 21:27
Er heißt auch Smaller, nur ist sein Vorname ein “Künstlername” wenn man so will. Bürgerlich heißt er Siegfrid Smaller (kann man auch ganz gut noch googlen und wird in alten Interviews fündig). Wenn man den Namen nun Englisch ausspricht, klingt das halt – irgendwie – wie Three Feet Smaller
ghostini sagte,
26. Mai 2009 um 09:07
wirklich?? wow, das hätt ich echt nicht geglaubt. hab das verschmitzte grinsen bei “ich heiß wirklich so” anscheinend falsch interpretiert
.. Das is aber kein österreichischer Name, oder?
danke für den hinweis! werd das mal ausreichend googlen!