Give It A Name 2010
Eines Tages. Eines Tages würde es soweit sein. Ich würde Sum 41 sehen. Live. Irgendwann.
Ich weiß nicht warum, aber in all der Backstreet Boys- und Britney Spears-Zeit war mein Lieblingslied, soweit ich mich zurückerinnern kann, immer schon „Fat Lip“ von Sum 41. Damals war mein Alter gerade mal zweistellig geworden. Heute bin ich 19 Jahre alt und kann es endlich sagen; das, worauf ich seit 9 Jahren gewartet habe: Ich habe Sum 41 live gesehen.
Angefangen hatte alles durch den Newsletter von Marco Magharai. Da schreibt er einfach so in einem Nebensatz, dass Sum 41 beim heurigen Give It A Name-Festival in Wien mitspielen. Ohne mit der Wimper zu zucken – vermutlich. Nur so ganz beiläufig. Als ob das nichts Besonderes wäre. In meinem Kopf spielten sich die verschiedensten Szenarien ab: Gibt es eine andere Band, die zufällig genauso heißt? Ist es vielleicht nur ein Scherz? Denn weder im Sum 41-Tourplan, noch auf der Arena-Homepage war etwas davon zu lesen. Also hieß es warten. Karten wurden präventiv trotzdem gekauft. Man weiß ja nie.
Und dann die große Ankündigung, die gar nicht so groß war: Sum 41 spielen de facto am Give It A Name. Bitterer Beigeschmack: nicht als Headliner. Eine Entscheidung, die ich bis heute nicht verstehe. Stattdessen schickt man AFI an den Start, eine Band, die in den letzten Jahren schon des Öfteren in Österreich performt hat.
Nach 50-tägigem Countdown-Zählen und verschiedensten Plänen für den Abend war es dann am 20. April 2010 soweit. Ab nach Wien, ab in die Arena. Das Festival startete mit den Österreichern No More Encore, einer Band, die leider viel zu wenig für ihre wirklich mitreißende Musik geschätzt wird. Danach noch ein wenig zu Story Of The Year gerockt war es schnell soweit: Sum 41 sind an der Reihe. Das Banner wird hochgezogen, die Menge tobt, es wird immer enger. Als Stevo32 dann die Bühne betritt und zu seinen Drums schreitet, ist klar, dass es diesem Konzert nicht an Moshpits, Wall of Deaths oder Circle Pits mangeln wird. Als alle Bandmitglieder auf der Bühne stehen, geht die Party so richtig los.
Die ersten Songs sind geprägt von Gegröle und enthusiastischem Springen – alles, wie es sein soll. Doch als Deryck eine Aussage macht, wird die Menge zu einer undefinierbaren, sich bewegenden Masse: „Now let’s go for some of the old shit“. Yes.
Fat Lip, In too deep, Motivation, Still Waiting, Makes No Difference; all die Lieder aus der Kindheit und frühen Jugend werden nur wenige Meter entfernt live performt. Von DER Band. Von Sum 41.
Doch wie es mit dem Co-Headliner-Dasein so ist – der Gig ist viel zu schnell vorbei. Die Menge tobt, schreit, kreischt – aber keine Chance auf großartige Verlängerung.
Aus grenzenloser Affinität heraus fühle ich mich fast gezwungen das zu sagen: Es war unbeschreiblich; ein unvergleichbarer Auftritt.
Nicht nur einmal musste ich mir im Vorfeld anhören, dass Sum 41 – um es freundlich auszudrücken – nicht gerade den reifsten Punkrock machen, den es gibt. Die Grundsteine des klassischen Punkrock haben sie wohl nicht gelegt. Kinderpunk quasi. Immer mit dabei, bei diesen Aussagen: Ein leichtes, fragendes Lächeln, wie eine solche Band denn meine Lieblingsband sein könnte.
Es ist durchaus richtig, dass Sum 41 weder harten Rock, noch traditionellen Punk machen. Haben sie nie, werden sie nie – brauchen sie aber auch nicht. Sum 41 waren schon immer auf der unterhaltsamen FunPunk-Schiene unterwegs und haben diese – zumindest bei Live-Konzerten – auch nie verlassen. Zugegeben, mit Chuck fanden viele getragene, schwerfällige Balladen ihren Platz in der Diskografie, aber das schmälert in keinster Weise all die animierenden, mitreißenden Songs von früher.
Welcher heutige Newcomer im Bereich von Poprock, Poppunk oder Funpunk gibt nicht Sum 41 als eine seiner Vorbilder-Bands an? Sum 41 und Blink 182 sind wohl die prägendsten Rockbands meiner/unserer Jugend und werden diesen Stellenwert auch nie verlieren.
Rock am Bach 09 – Der kleine Unterschied
Ich mag Festivals. Aber irgendwie haben sie immer etwas Chaotisches, Unorganisiertes, vielleicht sogar teilweise Beängstigendes an sich. Manchmal wäre ein kleineres, übersichtliches Festival angenehmer – so wie das Rock am Bach.
Ich weiß nicht mehr, wie wir letztes Jahr auf das Mini-Event in Neuhofen an der Ybbs gestoßen sind, aber Fakt ist, dass ich wusste, dass ich heuer wieder dort sein würde.
So stand ich am 10. Juli 2009 um 15:00 Uhr mit einem VW-Bus und einer Akkreditierung am Festivalgelände am Pumperlberg. Der Campingplatz ist nicht mehr als eine gewöhnliche Wiese – eine nicht besonders große. Geschätzte 10 VW-Busse und 60 Zelte haben sich bereits hier angesiedelt – viel mehr Leute würden also nicht mehr kommen. Die Kapazität von 3.000 Leuten ist damit zwar nicht ausgeschöpft, aber Leute aus Neuhofen oder Hausmening schlafen erfahrungsgemäß ohnehin nicht am Campingplatz.
Die oberösterreichischen Nachbarn, der Warchalowski-Club, sind mit dem kollektiv gekauften Festivalbus angereist, dem es an wirklich gar nichts mangelt – Griller, Boxen, Mobiliar, alles da.
Um 17:30 Uhr betreten 21 Stories die Bühne. Es sei vorangestellt, dass ich vom gesamten Line-Up nur drei Bands kannte, mittlerweile aber sehr begeistert von einigen „kleinen“ Acts bin. Die Jungs haben sichtlich Spaß auf der Bühne und begeistern das doch noch sehr karge Publikum. Mit Jesus Christ Smokes Holy Gasoline und 5 Bugs wird die Band-Größenordnung ungefähr gleichgehalten, bei 3 Feet Smaller geht es dann aber richtig los. Gewohnt professionell wird die Show über die Bühne gebracht, gewohnt begeistert hüpft, pogt und crowdsurft die Menge. Bei Friska Viljor und Delinquent Habits flaut die Stimmung wieder ein wenig ab, anscheinend war 3 Feet Smaller nicht nur der letzte österreichische, sondern auch der bekannteste Act des heutigen Abends.

3 Feet Smaller
Nach der Show begibt sich die amorphe Besuchermasse über den leicht schlammigen Feldweg wieder zurück auf den Campingplatz und es wird relativ schnell ruhig auf dem Gelände. Das sollte sich am nächsten Tag ändern. Vor dem Schlafengehen werden noch verdächtig große Insektenstiche untersucht, blaue Flecken und Abschürfungen inspiziert, sowie der Sonnenbrand verarztet. Gute Nacht.
Der Samstag beginnt sehr früh, denn es ist viel zu kalt. Um 5:30 Uhr wache ich auf, denn zitternd und bibbernd weiterzuschlafen war noch nie meine Stärke. Etwa zwei Stunden später scheint die Sonne jedoch viel zu stark und macht den Bus zu einem Treibhaus. Also hinaus auf die Wiese und ab in den Schatten zu den Oberösterreichern. Dort findet sich auch der 79-jährige Hans ein, der eigentlich nur vorbeifahren wollte, jetzt aber am Geschehen teilnimmt. Er erzählt von alten Zeiten, seiner Kinderlähmung, Dessous-Geschäften und seinen 17 Geschwistern. Zu einem frisch gegrillten Kotelett und einem trockeneisgekühlten Bier sagt er natürlich nicht nein. Nach etwa drei Stunden verabschiedet er sich mit den Worten „Habts scho recht, dass ihr da seits! Ihr seits jung, nutzts des aus!“
Am Nachmittag eröffnen The Beth Edges die Bühne. Für das darauffolgende Interview will ich mir die Jungs unbedingt ansehen und bin begeistert. Irgendwo zwischen Muse und Incubus einzuordnen faszinieren die Linzer – schade, dass noch so wenige Leute hier sind.
Danach bin ich auch schon im Backstage-Zelt, wo mir Tobi, Gabs, Flo und Dave Rede und Antwort stehen. Teilweise sehr engagiert und um passende Worte bemüht, teilweise sehr sarkastisch beantworten sie alles, was ich so wissen will, lassen aber auch das ein oder andere Geheimnis im Raum stehen. Als Außenstehender merkt man schnell, dass hier die Insidergeschichten nur so im Raum herumschwirren.
Erst bei Julia stehe ich wieder vor der Bühne. Sänger Koma erinnert daran, dass sich Julia 2009 noch auflösen werden – auch die vielen Buh-Rufe können daran nichts ändern. Die gesangstechnisch fragwürdige, aber auf jeden Fall mitreißende Darbietung ist viel zu schnell vorbei. „Freut ihr euch schon auf Selig? Das war damals die erste Band, die ich live gesehen habe und ich bitte euch, seht sie euch an. Eine geniale Live-Band.“, dann verlassen die Wiener die Bühne.
Bei Selig jedoch spalten sich die Gemüter. Ein oder zwei Lieder werde man sich aber anhören, dann aber wahrscheinlich auf den Campingplatz flüchten. Als die deutschen Kultrocker zu spielen beginnen, fühlt sich so mancher bestätigt – was mir ein Rätsel ist. Mit einer grandiosen Live-Stimme, vielen Lichteffekten und trance-artiger Publikumsbindung geben Selig ein Lied nach dem anderen zum Besten. Um etwa 1:30 Uhr gehen sie von der Bühne und überlassen die restlichen Besucher ihrem Schicksal.
Inzwischen hat man neue Freunde gefunden. Basti, der Schwabe, entpuppt sich als unterhaltsamer Gesprächspartner, der gerne mal bewohnte Zelte abbaut. Im Laufe der Nacht gesellt sich auch Großi, der Neuhofner zu uns, der trotz T-Shirt und kurzer Hose einfach nicht zu frieren scheint, während ich mit zwei Pullovern nicht mehr ruhig sitzen kann. Um 4:00 Uhr wird es langsam ruhig am Gelände, um 5:00 Uhr werden bereits die ersten Zelte abgebaut und letzte Biere vernichtet. Um 6:00 Uhr ist es wieder hell und somit wärmer. Ein letzter Rundgang zeigt, dass der Bühnenabbau bereits in vollem Gange ist. Der Parkplatz ist halbwegs sauber – im Gegensatz zum Campingplatz – und der Bühnenbereich abgesperrt.
Um 8:00 Uhr wird es dann spannend. Der Kühlschrank im VW-Bus war die ganze Nacht eingeschalten – Resultat: Autobatterie leer. Ob jemand Starterkabel eingepackt hat? Erste Umfragen enden negativ. Doch dann die wechselseitige Rettung. Ein junger Mann packt die Starterkabel aus, das nebenstehende Mädel fragt schüchtern, ob wir sie denn nach Haag führen könnten, denn sie wisse nicht wie sie nach Hause kommen soll. Kaum läuft der VW-Bus, wird die verzweifelte Dame eingepackt und sich von den Nachbarn verabschiedet. Auf dem Weg begegnet uns dank falscher Ausfahrt gleich zweimal Großi, der mittlerweile hoffentlich endlich zuhause angekommen ist. Eine halbe Stunde später bedankt sich das Mädchen etliche Male beschämt und öffnet die Haager Haustüre.
2 1/2 Stunden und ein kleines Nickerchen später stehe auch in meinem Zimmer, lade Fotos hoch, schreibe Berichte und schlafe dabei fast ein. Nach einem langen Familienessen/Kaffee trinken/Jausnen gebe ich auf. Um 17:00 Uhr genieße ich mein weiches Bett und sehe mir noch einmal das neon-orange Stoffband auf meinem Handgelenk an. Schade, dass das Band so extrem hässlich ist – das Festival, für das es steht, sieht mich nämlich bestimmt wieder.
20 Gründe, den HC-Comic „Der Blaue Planet“ nicht zu mögen
Der Off-Topic-Eintrag sei mir verziehen, aber seit Erscheinen eines wohlbekannten publizistischen – nun ja – Produktes brennt mir einfach zu viel auf der Seele, als dass ich es für mich behalten könnte.
Hier also meine persönlichen Gründe, warum der HC-Comic weder ernstzunehmen, noch akzeptabel ist:
1.) Ein gewisser Herr schickt uns mit dem Comic einen Brief mit persönlicher Anrede. Und er duzt uns. Ich könnte mich nicht erinnern, ihm das Du-Wort angeboten zu haben. Aber das sei ihm vergeben, er ist doch unser Kumpel und ist genau wie wir. Das will er uns doch erklären, oder?
1.) Auf dem Titelblatt prangt uns verheißungsvoll „Band 1″ entgegen – soll das heißen es wird noch mehr geben? Bitte nicht.
2.) Man blättere einmal auf. „Das vorliegende Heft ist keine Parteiwerbung.“ Ja ne, is klar.
3.) Ebenfalls auf dieser Seite kommt uns zum ersten Mal Stra-Che entgegen. Nun ja, wenn er mit Che Guevara verglichen werden möchte, bitteschön.
4.) Auf Seite 7 zeigt das obere Bild ein Wesen, das anscheinend einen Österreicher verkörpern soll. Einen typischen Österreicher. Mit Zigarette im Mund, grillend, mit Burschenschaftsmütze. Auf nachfolgenden Seiten häufig Bier trinkend.
5.) Auf dem unteren Bild sehen wir dann zum ersten Mal den HC-Man und seine Gefährtin. Nackt im Wasser, na klar, was sonst.
6.) Auf Seite 8 tritt uns die EU als fettes Schwein entgegen.
7.) Seite 10 zeigt uns mit dem vorletzten Bild, dass anscheinend auch tote Zepter rauchen. Wer nicht. Blöd nur, dass zwei Bilder später das Schwein erklärt, dass in der EU das Rauchen verboten ist.
8.) Seite 13 lässt ihn mir diesen leicht säuerlichen Geschmack hochsteigen. Der HC-Man vertreibt ganz cool und lässig den „Alten“ und erklärt ihn, dass er sich „schleichen soll“. Ein Bild später steht ein Adonis-artiger HC-Man vor uns, wie ihn die Natur geschaffen hat, die entscheidenden Partien wie bei der David-Statue mit Blättern verdeckt.
9.) Die Aufgaben seiner Gefährtin werden auf Seite 14 ziemlich deutlich dargestellt. Ohne Unterwäsche ist sie einfach nur da, um nackt zu sein. Diese wirklich ehrenvolle, zutiefst schwierige Aufgabe meistert sie auch auf den folgenden Seiten konsequent bravourös.
10.) Seite 15 – Was will uns der Verfasser dieses Comics mit der Beschuldigung, das Tierchen habe das Geld gestohlen, über die Österreicher sagen?
11.) Auf Seite 16 werden wir dann zum Mitsingen angeregt – ob es dieses Lied auch bald als Rap gibt?
12.) Der Bierkonsum des HC-Man auf Seite 20 bringt mich zum Grübeln. Aber er ist ja auch nur ein Österreicher. Und so sind wir ja nun mal.
13.) Die darauffolgende Hommage an die KronenZeitung entbehrt wohl jeglicher Beschreibung.
14.) Seite 38 hat es auf die Grünen – entschuldigung, die grünen Klone – abgesehen. Mit dem Slogan „Heimat im Herzen, Scheisse im Hirn“ schläft so ein Männchen in einer Toilette, während es furzt.
15.) Seite 39 hat mich persönlich etwas schockiert. Mag man gewissen Parteien ohnehin eine gewisse Verbundenheit mit Ereignissen, die ziemlich genau 70 Jahre her sind, zuschreiben, aber mit dem Spruch „Seisslond Werreke“ ging man hier eindeutig zu weit (man beachte das Doppel-S).
16.) Kann mir bitte irgendjemand Seite 41 erklären? Warum räkelt sich die Frau lasziv vor dem HC-Man, wieso liegt sie so auf einem Haufen Etwas und wieso endet das Gespräch in einem Liebesangebot? Ich verstehe es schlicht und einfach nicht. Nicht nur, dass es unnötig wäre, diese Szene einzubauen, sie ist noch dazu schlecht gemacht.
17.) Auf den nächsten Seiten werden Menschen ausgepresst, österreichische Goldesel abgezapft, Fässer voller Bier getrunken und zwei Menschen, die eigentlich ein Mensch sind, freunden sich an. Der graue Planet eben.
18.) Auf Seite 57 pinkelt das EU-Schwein in einen Eimer, der auf dem Rücken eines Schwarzen steht. Bei allem was Recht ist: es gibt Grenzen, die man nicht überschreiten darf, sogar auf diesem Niveau noch.
19.) Dieser Platz geht an absolut alle Fußnoten, die sich durch den Comic ziehen. Vom Beschuldigen übers Lächerlichmachen bis hin zu schlichten Falschaussagen – alles findet hier seinen Platz.
20.) Zu erwähnen sind natürlich auch die Rechtschreibfehler, die man mit genügend Plätzen bedacht hat.
Mir stellt sich also die Frage: für wie blöd werde ich von diesem Comic gehalten? Denn offensichtlich soll er mich ansprechen. Ich darf seit zwei Jahren wählen, gehöre also wahrscheinlich noch am ehesten zur Gruppe der Wechselwähler. Soll mich dieses Ding, dieser Comic, dazu bewegen eine bestimmte Partei zu wählen, die auf der letzten Seite erwähnt wird?
So ganz hat das nicht funktioniert. Dieser Eintrag soll kein Angriff auf die FPÖ sein, keineswegs, aber durch solche Maßnahmen der „Wahlwerbung“ (auch wenn dies dementiert wird), vergrault mich diese Partei für alle Zeit als Wähler. Es geht nicht um deren Wahlprogramm, das sei hier ganz außer Acht gelassen, denn allein durch deren Selbstdarstellung vergeht mir die Lust, mich überhaupt mit dem Programm zu befassen.
Liebe FPÖ, so bitte nicht.
Without a Sound – Goodbye Julia
Fast hätte ich nichts davon mitbekommen, doch dann ging alles sehr schnell. Ein Anruf. Ein Klick. Ein Schock. Julia lösen sich auf.
Auf Newsboard prangt es mir auf der Startseite entgegen: Nach 10 Jahren erfolgreicher Bandgeschichte löst sich die österreichische Rockband rund um den charismatischen Sänger Koma auf. Kein „Beautiful“, kein „Hell of a Speech“, kein „Droogs“ mehr. Kein LastBandStanding mehr.
Nachdem bereits 2007 Gerüchte über Auflösung, Trennung und Niederlegung des musikalischen Amtes kursierten, ist es nun offiziell. Die Musiker werden nicht mehr als Band weitertouren, sondern sich auf Kind und Kegel (ersteres wortwörtlich, zweiteres sei die Umschreibung für das Projekt JNSN) konzentrieren. Nach 10 Jahren, 10 Ländern und über 500 Konzerten sei ihnen das genehmigt.
Doch bevor alles zu Ende ist, gibt es noch einige Goodies für die treuen Fans. Auf der Julia-Homepage wurden unveröffentlichte sowie einige veröffentliche Songs zum Gratis-Download bereitgestellt. Da wird nicht nur ein gebührendes Abschiedsschmankerl geboten, sondern auch die Geldbörse geschont. Denn immerhin kann man ja einstweilen ein paar Euro sicher für die letzten Konzerte beiseite legen.
Die mexikanische Grindcore-Wette
Es war eine dieser Wetten, bei der man wirklich etwas tun muss, anstatt einfach nur ein Ergebnis abzuwarten. Es ging darum, ob ich mir den Namen einer bestimmten Grindcore-Band aus Mexiko merken kann. Klingt an und für sich nicht nach einer besonders großen Herausforderung.
Aber es ist durchaus kein leichtes Unterfangen, sich Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis einfach mal so nebenbei zu merken. Bei mir bedurfte es einer mehrzeilig beschrieben Karteikarte und eines freien Abends bis ich die Wette gewonnen hatte.
Meine Freude war natürlich groß – wusste ich doch insgeheim, wieviel Glück ich gehabt hatte, mir nicht deren Liedtitel „Uroporfironogenodescarboxilandome Y Pustulandome Con Tu Anorgasmita Exaclorobencenosisticarial Sexo Traumatizante“ merken zu müssen.
Der Name ist oft das erste, was wir von einer Band kennen und vermittelt uns meist einen (un)bewussten ersten Eindruck. Ich ertappe mich oft dabei, wie ich einer Band automatisch Stil und Klang zuordne, nur wenn ich den Namen höre. Bei „Slut“ dachte ich nicht an einen jungen Mann, der softe Musik macht, sondern an eine kreischende Punk-Frontfrau. Bei „Disco Ensemble“ dachte ich nicht an Post-Hardcore, sondern an Disco-Rhythmen wie die der „neueren“ Madonna. Oder wer denkt bei „Fettes Brot“ – vorausgesetzt man würde sie nicht kennen – schon automatisch an eine Band?
Auch wenn Künstler uns oft mit ihren Namen verwirren, weil wir absolut konträre Musik erwarten, gibt es manche Bands, deren Musik man sofort erahnen kann. Seien wir ehrlich, viele metallastigen Bands haben einen (vermeintlich) lateinischen oder griechischen Namen (Equilibrium, In Extremo, Pantera, etc.). Die „richtigen“ alten Punkbands haben ein „The“ im Namen (The Clash, The Who, The Damned, etc.). Hiphopper dagegen haben oft ein „lil“ oder „big“ vorangestellt (Lil’Kim, Lil’BowWow, etc.). Dass sich ein typischer Name in eine dafür untypische Musikrichtung mischt, ist mir bisher noch nicht untergekommen (beweist mir gerne das Gegenteil).
Neben den klassischen Namen (seien sie musiktypisch oder nicht), gibt es aber auch noch jene, die so dermaßen außergewöhnlich, anders oder einfach nur peinlich sind, dass die Band selbst ihn manchmal gar nicht mehr haben will. Simon & Garfunkel haben „Tom and Jerry“ hinter sich gelassen. Queen haben auf dem Höhepunkt ihrer Karriere bestimmt nicht mehr auf „Smile“ gehört. Und wer Pink Floyd noch „Tea Set“ nennt, der macht sich die Musiker wohl nicht zu seinen Freunden.
Eine kleine deutsche Band kämpft zurzeit auch sehr mit ihrem Namen. Zurecht, denn bei „Itchy Poopzkid“ steigert sich die musikalische Erwartung wohl nicht besonders. Auf vielen Konzerten witzeln sie darüber, wer denn auf die bescheuerte Idee kommen sei, sich so zu nennen – sei es nun ernst gemeint oder nicht.
Doch Itchy Poopzkid haben sich im deutschsprachigen Raum mittlerweile trotz ihres Namens einen Namen gemacht. Diesen jetzt noch zu ändern wäre mit Sicherheit nicht förderlich für den Aufstieg auf der Karriereleiter. Denn ab einem gewissen Berühmtheitsgrad, ist der Name ohnehin egal. Bands können noch so lustig heißen, sobald man Musik hat, mit der man sie verbindet, nimmt man den Namen gar nicht mehr wirklich wahr. „Jimmy Eat World„, „Die Toten Hosen„, „Alien Ant Farm„, wer von uns denkt da noch genau nach, was der Name bedeutet?
Das Finden eines Bandnamens ist wahrscheinlich ein sehr langwieriger Prozess, der von viel Streit und Argumenten geprägt ist. Und so kann es natürlich auch passieren, dass dann ein Bandname wie „No use for a name„, ein Songtitel wie „Damn, we need a title for this song“ und ein Album wie „Insert Album Title Here“ entstehen.
The very last(.fm) song
Pretty please. A prescription.
Das waren seine letzten Worte. Seitdem hat niemand mehr etwas von ihm gehört. Von meinem Last.fm-Account. Gestern ist er für alle Zeit verstummt. Denn ich werde mit Sicherheit nicht zahlen.
Vor ein paar Wochen kam die Information von Last.fm, dass man auf seinem Account nur noch 30 Lieder hören kann, ab dann wird die Nutzung kostenpflichtig. Zugegeben, 3€ monatlich sind nicht die Welt. 3€ monatlich kann man vermutlich leicht woanders einsparen.
Aber wie so oft geht es einfach ums Prinzip. Im Prinzip sind 3€ ja nicht viel, wenn man dafür wirklich seinen eigenen Radiosender hat und Bands empfohlen bekommt, die sich grandios in den eigenen Musikgeschmack integrieren. Aber meine Prinzpien sagen prinzipiell nein, wenn es darum geht, für etwas zu bezahlen, dessen Großteil ich auf dem eigenen Rechner habe. Und für all die Lieder, die ich nicht habe, gibt es immer noch den Bekannten einer Schwägerin eines Freundes. Irgendwer hat immer das, was man braucht.
Zugegeben, wäre da nicht Last.fm, wäre ich wohl nie auf zwei absolut grandiose Lieder gestoßen, nämlich Closer von Cauterize und Best Mistake von JamisonParker. Beide zwar nicht unbedingt in meiner Musikrichtung, aber dennoch Lieder, die ich, seit ich sie kenne, liebe.
Last.fm sei Dank.
Eine andere kürzlich verstummte Seite ist Chilirec.com. Auf dieser Seite konnte man hunderte von Radiosendern auswählen und mitansehen, welche Lieder dort zurzeit gespielt werden. Hat man Gefallen an einem Lied gefunden oder will einfach mal hören, wie diese und jene Band klingt, drückt man einen Button und schon wird das Lied heruntergeladen. Durch die verschiedenen Sender werden so längst vergessene Lieder wieder ins Gedächtnis geholt und auf der Festplatte verewigt. Schön.
Aber auch dieser Dienst hat ein Ende, die Beta Phase ist vorbei. Schade.
Und jetzt? Tja. Jetzt sitzen wir hier. Ohne Dauerbeschallung durch Last.fm. Ohne musikalische Fortbildung durch Chilirec.com. So schnell kann ein musikalischer Garten Eden seine Pforten schließen.
Aber wir haben immer noch unseren Laptop, unseren PC, unseren Mac. Jedenfalls irgendetwas, auf dem wir hunderte, tausende von Liedern gespeichert haben. Nämlich genau die, die wir mögen, auswendig können und seit Jahren dauerhören.
Und außerdem: es gibt ja immer noch Blip.fm.
Aus Alt mach Neu
Ich war – gelinde gesagt – überrascht, als ich letzte Woche mit dem Bus von Pulkau nach Horn fuhr und mir aus der letzten Reihe aus Handyspeakern „Shake It“ entgegenschallte. Ich war – nun ja – am Grübeln, als ich „Shake It“ dann im Radio hörte. Ich war – seien wir ehrlich – geschockt, als ich „Shake It“ schließlich im Fernsehen sah.
Ich möchte nicht falsch verstanden werden. Ich finde Metro Station und deren Lied „Shake It“ toll, ich halte es für einen absoluten Ohrwurm. Aber was mich so schockiert hat, war, wie mit dem Lied umgegangen wird. Das „neue Lied“ von der „neuen Band“ Metro Station auf dem „neuen Album“. Achso? Falsch.
Fakt 1: Metro Station ist keine neue Band. Sie existiert „bereits“ seit 2006, als sich Mason Musso und Trace Cyrus am Set von Hannah Montana kennenlernten. Ihre Geschwister spielen die zwei Hauptrollen in Hannah Montana – ja, auch das ist eine Band-Gründungsgeschichte.
Fakt 2: „Shake It“ ist kein neues Lied. „Shake It“ ist bereits 2007 auf dem Album „Metro Station“ erschienen. Andere Single-Auskopplungen sind „Kelsey“ und „Control“. „Control“ – meiner Meinung nach das beste ihrer Lieder – hat vor allem auf MySpace einen ungeheuren Erfolg verzeichnen können und galt lange als mundpropagierter Insider-Tip. Mittlerweile ist „Shake It“ natürlich weitaus bekannter und Metro Station wird von nun an – leider – hauptsächlich mit diesem Lied in Verbindung gebracht. Von „Control“ hört man im Radio noch nichts, insofern existiert es für den Großteil der Hörer nicht. Noch nicht.
Fakt 3: Wie oben bereits erwähnt wurde das Album „Metro Station“ bereits 2007 veröffentlicht. Zwei Jahre her ist das jetzt. Scheint aber niemanden zu stören, denn man hört Metro Station jetzt, nicht vor drei Jahren. Somit ist es wohl auch das „neue Album“. Von der „neuen Band“. Mit dem „neuen Lied“.
I have a dream… #2
So, das Bier ist leer. Aber wir holen uns kein neues, denn wir sind Studenten und können uns nicht so einfach ein Festival-Bier um etliche Euros leisten. Der Weg zum Zelt oder zu den Nachbarn mit den Paletten voller Bier ist auch zu weit. Sehen wir uns lieber weiter ein paar Konzerte an…
8.) Skindred
Zugegeben, mir hat diese Band bis zum November 2008 nichts gesagt. Absolut gar nichts. Doch sobald ich „Rat Race“ auf YouTube gehört hatte, war ich hin und weg. Bei der Eastpak Antidote Tour in Graz konnten sie dann auch live beweisen, was sie drauf haben. Es war grandios.
Mit ihrem unverkennbaren Mix aus Reggae und Rock und ihrem charismatischen Sänger reißen sie die Menge innerhalb von Minuten mit. Auch wenn man durchaus einen Unterschied zwischen Live-Stimme und Aufnahme hört, bei DIESER Performance voll von Rasta-Headbangen und OldSchool-Mikrofonen nimmt man das gerne in Kauf.
9.) Kissmet
Bei dieser Band bin ich mir sogar sicher, dass sie 99% der Leser nicht kennen. Macht nichts, kann man ja immer noch ändern. Kissmet ist eine Funky-Bhangra-Reggae-Rock-Band, die trotz westlicher Einflüsse ganz klar indische Musik spielt. Da sie selbst indischer Abstammung sind, wirkt der Auftritt authentisch indisch, aber gleichzeitig auch extrem überraschend. Nie hätte ich gedacht, dass indische Musik mich so faszinieren könnte. Aber durch gekonnt eingebrachte Rock-Rhythmen und -Melodien ist es eben nicht „bloß“ indische Musik. Es ist mehr. Es ist spannend. Vor allem live. Es rockt.
Kissmet – Govinda (schlechte Qualität)
10.) Enter Shikari
Wenn plötzlich Schlagzeuger und Sänger Rollen tauschen, erwachsene Männer pinke Hot Pants und hellblaue Träger-Tops tragen, Bandmitglieder Stahlträger hinaufklettern, dann darf man Zeuge eines Auftrittes von Enter Shikari werden.
Hört man „Mothership“ oder „Sorry, you’re not a winner“ auf CD, klingt das schon mal nicht schlecht. Aber so etwas live sehen? Auf der Bühne? Mit Instrumenten? Gesungen? Ne, das kann man sich nur schwer vorstellen.
Aber auf das Spektakel, das sich dann vor einem abspielt, ist man mit Sicherheit nicht gefasst. Lasershows, Nebelschwaden, todesmutige Schlagzeuger, Allrounder-Musiker – alles da. Unbedingt sehenswert.
Enter Shikari – Sorry you’re not a winner
11.) Papa Roach
Papa Roach hat wohl die meisten von uns in unserer Kindheit und Jugend begleitet. Lieder wie „Getting away with murder“ und vor allem „Last Resort“ bringen uns durch jede Partynacht und lassen uns zu headbangenden, willenlosen Tieren werden. Manchmal kann so ein Verhalten durchaus peinlich sein, aber nicht bei Papa Roach. Denn bei diesen Liedern steht absolut jeder auf der Tanzfläche und schreit sich die Seele aus dem Hals.
Wir sehen, wir können uns schon beim Abspielen der CDs kaum halten, wie also ist das erst beim Live-Auftritt?
Beim Nova Rock 2007 hatten sie eine eher schlechte Auftrittszeit erwischt, aber trotzdem konnte man förmlich den Boden unter dem Publikum beben spüren. Wie also ist das erst bei Privat-Konzerten? Oder bei Auftritten als Headliner? Hat jemand Erfahrung? – Immer her damit!
12.) Zebrahead
Zebrahead. Hach ja, Zebrahead. Ich muss zugeben, ich weiß nicht, wie sie live klingen, aber diese Kombination aus Rap und Rock muss einfach auch live gut sein.
„Down in Flames“ beispielsweise. Das Gitarren-Intro, bei dem jeder sofort weiß, um welches Lied es geht. Das immer wieder geschriene „Stop“ und „Don’t stop“, bei dem jeder mitsingt. Das „I“ zu Beginn des Refrains, das mit aller Kraft herausgeschrien wird. Die kurze Break vor den letzten Refrains, die alle wissen lässt, dass es gleich noch einmal so richtig abgeht.
Ein Lied wie dieses kann live nicht schlecht sein.
13.) Mindless Self Indulgence
MSI ist mittlerweile vom Geheimtipp über den Insiderratschlag zum abendfüllenden Act geworden. Leider (denn so sind die Karten schneller weg), aber durchaus berechtigt.
Mit ihrem Electronic-Jungle-Pussy-Punk setzen sie neue Maßstäbe in vielerlei Hinsichten. Jimmy Urine setzt neue Maßstäbe mit der Höhe und der Standfestigkeit seiner Frisur. Lyn Z setzt neue Maßstäbe im Bezug auf Stagediving mit den wohl kürzesten Röcken der Welt. Kitty setzt neue Maßstäbe beim Drum-Set-Styling. Und Steve Righ? setzt neue Maßstäbe im Zigaretten-auf-der-Zunge-ausgedrückt-bekommen.
Mindless Self Indulgence sind einfach anders. Verrückt? Durchgedreht? Geisteskrank? Vielleicht. Aber um zu verstehen WIE anders, muss man sie gesehen haben.
Mindless Self Indulgence – Stupid MF
14.) Linkin Park
Ich war geschockt, als ich 2007 in der Menge mitten auf den Pannonia Fields stand und mich zwei 20-jährige Burschen fragten, wer denn Linkin Park sei, was die denn spielen und was für Lieder man denn von ihnen kenne.
Umso erfreuter war ich, als meine Tante – ihres Zeichens heuer frische 50 geworden – mir ein SMS schrieb, dass sie ein bisschen böse sei, weil ich ihr Linkin Park nicht schon viel früher gezeigt habe. Es sei die beste Band, die sie seit langem gehört habe. Das von einer Frau zu hören, die auf Konzerten wie Aerosmith, Julia, Jon Bon Jovi, Deep Purple, etc. war, bedeutet mir einiges.
Denn Linkin Park war nicht nur vor Jahren mit „In the end“ oder „Papercut“ groß, sie sind auch jetzt mit „Given Up“ und „Bleed it out“ groß. Sie werden immer groß bleiben, trotz längerer oder kürzerer Pausen.
Wir sind also am Ende angelangt. Die letzte Band steht bevor. Drei Tage lang haben wir all die Bands gesehen, die wir (zumindest ich, aber ich hoffe nicht ich allein) schon immer sehen wollten. Mit Tränen in den Augen warten wir gespannt, was die allerletzte Band wohl spielen wird, wer sie sein wird, wie lang sie spielen werden. Und dann betritt sie die Bühne. Endlich. Nach all den Jahren.
15.) Sum 41
Sie ist es. Die Band meiner Kindheit (wenn man das mal nicht so genau sieht), meiner Jugend und meiner Gegenwart. Hoffentlich auch meiner Zukunft. Zugegeben, sie haben in den letzten Jahren nicht gerade viele Single-Auskopplungen in die Charts geworfen, aber trotzdem hat sich einiges getan. Zum Beispiel das Live-Album „Go Chuck Yourself“. Dieses Album zeigt, was die Jungs rund um Deryck Whibley ohne Tonstudio so draufhaben.
Umso schlimmer, dass Sum 41 noch immer nicht in Österreich waren. Kein einziges Mal. Vor wenigen Jahren waren sie wenigstens noch in Deutschland unterwegs, aber seitdem – nichts mehr. Hauptsächlich Asien- und US-Auftritte.
Geben wir uns damit zufrieden? Wohl kaum. Zwar bekommen wir mittlerweile nicht mehr die Chance, die ursprüngliche Besetzung mit Dave Baksh zu sehen, aber Stevo32, Cone und Deryck machen ihren Job immer noch gut.
Zumindest scheint es so. Beurteilen können wir das nicht – wollen es aber. Denn wir wollen, dass Sum 41 nach Österreich kommen.
Auf das Festival meiner, vielleicht auch eurer Träume.
I have a dream…
Ich habe einen Traum. Einen Traum, dass es irgendwann kommt. Das perfekte Festival-Line-Up. Ein Line-Up, das sich nicht überschneidet. Ein Line-Up, das von hochgepushten, aber live miserablen Bands absieht und die Bühne gesangsstarken, instrumental perfekten Bands überlässt. Ich habe den Traum, das mein Traum eines Tages wahr wird.
Aber wie genau sieht es denn jetzt aus; mein persönliches perfektes Festival-Line-Up?
Zuallererst ist einmal wichtig, dass es nur eine Bühne gibt. Wie oft steht man in der Pampa in Salzburg, Nickelsdorf oder St. Pölten und ärgert sich, weil genau die zwei so wichtigen Bands zur selben Zeit spielen – 500m voneinander entfernt. Weg mit allen überflüssigen Bühnen – her mit DER Bühne!
Viel wichtiger sind aber die Bands, die dann dort spielen werden. Angenommen wir haben es mit einem typischen 3-Tages-Festival zu tun, täglich spielen ab 14:00 Uhr Bands, jeweils etwa eineinhalb Stunden lang. Plus Umbauphase. Hätten wir also 15 Bands. Und zwar folgende:
1.) Vanilla Sky
Eine italienische, softe Punkrock-Band, die in Österreich schon etliche Konzerte und Festivals gespielt hat und weiß, wie man auch als Support oder Beginner-Band die Menge zum Toben bringt. Mit Covers wie Umbrella (Rihanna) oder A Thousand Miles (Vanessa Carlton) bringen sie außerdem Hits zum Besten, bei denen auch jeder, der Vanilla Sky nicht kennt, mitsingen kann.
Vanilla Sky – Umbrella (Cover – mit großartigem Video xD)
2.) Russkaja
Diese Combo ist mittlerweile wohl jedem Österreicher ein Begriff. Auf eine sehr seltsame, aber durchaus sympathische Weise schafft es Russkaja seit Jahren, konsequent an der Karriereleiter zu knabbern, aber dennoch im „Untergrund“ zu bleiben. Nahezu jeder, der des Öfteren auf Konzerte o.ä. geht, hat Russkaja schon live gesehen; und kaum jemandem hat die Performance nicht gefallen. Trotzdem wollen Russkaja nicht so recht kommerziell erfolgreich werden.
Trotz allem ist Russkaja eine Band, die einfach mit von der Partie sein muss. Nicht nur weil sie es ohnehin überall ist, sondern weil sie es verdient.
3.) Julia
Um aller guten Dinge 3 zu machen und die österreichischen Bands hier zu Ende zu bringen, sei Julia herzlichst empfohlen. Julia ist das, was 3 Feet Smaller Konkurrenz macht. 3 Feet Smaller gilt weitläufig als Österreichs größter Exportschlager was österreichischen Rock betrifft; meiner Meinung nach zu unrecht. Julia sollte auf dem Treppchen doch ein Stückchen weiter oben stehen. Lieder wie „Crash Test Youth“ oder „Beautiful“ (was sogar zur Eishockey-Hymne wurde) strotzen nur so vor Energie und Mitgröl-Refrains.
Julia – Beautiful (im Video ist als zweites auch Markus von 3FS zu sehen)
4.) Itchy Poopzkid
Ein kurzer Abstecher in die deutsche Musikszene bringt mich zu Itchy Poopzkid. Hört man sich die Alben an, finden sich zwar hauptsächlich Balladen oder eher „weichere“ Rocklieder. Wer die Jungs aus Eislingen an der Fils jedoch live sieht, kann davon nichts mehr merken. Seltsamerweise spürt man bei den Konzerten nur kurzweilig etwas von Sentimentalität und Schnulzen. Die meiste Zeit läuft, springt, sitzt und liegt man in allen möglichen Saalwinkeln, weil der Moshpit einfach nicht aufhören will. Sei es, dass meine Erfahrung nur aus Ausnahmen besteht, die nicht den normalen Itchy Poopzkid-Konzertalltag darstellen; nichtsdestotrotz ist und bleibt Itchy Poopzkid die bisher einzige Band, bei dem eine Horde von moshpittenden Menschen es geschafft hat, mir durch das Gehüpfe und Gezerre den zugeschnürten Converse auszuziehen und zu zerreißen.
5.) Kaizers Orchestra
Damit wären wir bei den internationalen Bands angelangt. Kaizers Orchestra sagt wahrscheinlich weit weniger Leuten etwas als die vorherigen und nachfolgenden Bands, aber das ist in Ordnung. Man muss sie nicht kennen um sie zu schätzen. Am Frequency 2008 glänzten sie mit einer mitreißenden Performance, die mit Aggression und abwertenden Kommentaren gen Pete Doherty gespickt war, der es vorzog, den Flieger zu verpassen, als zum Festival zu erscheinen.
6.) Beatsteaks
Die Beatsteaks haben sich in den letzten Jahren einen konstanten Platz sowohl in der deutschen als auch in der internationalen Musikszene verschafft. Obwohl ich selbst nicht ein allzu großer Fan der Beatsteaks bin, halte ich deren Performance für etwas Außergewöhnliches. Sänger Arnim hat eine angenehm abwechselungsreiche raue, mitreißende Stimme, die den Körper und die Füße dazu bringt, sich selbst alles abzuverlangen.
Zusätzlicher Plus-Punkt: Refrains wie von „Hello Joe“, „I don’t care as long as you sing“ und „Jane became insane“ kennt jeder.
7.) Incubus
Diese Band hat sich ihre Erwähnung in dieser subjektiven Liste der Crème de la Crème redlich verdient. Brandon Boyd hat die beste Live-Stimme, die ich je gehört habe. Zwar fällt bei Incubus der Pogo-Faktor größtenteils weg, aber das stört keineswegs. Jeder braucht einmal eine Pause vom Herumgehopse und -getanze, und vielleicht muss der eine oder andere ja auch kurz was zu Trinken holen. Oder auf die Toilette. Jedenfalls kurz weg von der Show. Weg von der Show? Bei Incubus? Ne ne, falsch gedacht. Wer den Mut hat, bei Incubus die Menge zu verlassen, dem sei mit dem Gummihammer kurz, aber dennoch einprägsam auf das liebliche Haupt geschlagen. Denn Incubus bringen ihre Lieder dermaßen authentisch und fesselnd an die Menschen heran, dass einem der Mund offen bleibt.
Ob Brandon nun wirklich ein unverbesserlicher Narziss sei, lassen wir dahingestellt. Wer so singen kann, der darf durchaus mit sich selbst zufrieden sein.
Wo sind wir also gerade? Wir liegen im Gras, stehen in der Menge, halten ein Bier in der Hand, essen eine Brezel, ganz egal. Aber wir alle befinden uns auf dem imaginären Festivalgelände, wo gerade der zweite Konzert-Tag langsam dahinschreitet. Heute noch drei Bands, morgen die letzten fünf. Die, die die Veranstaltung beenden und uns mit einem guten Gefühl nach Hause fahren lassen. Mit einem Grinsen auf dem Gesicht.
Doch wir sind hier auf einem Festival. Und da braucht jeder Mal eine Pause. Insofern sei mir eine kleine Zäsur erlaubt. Im nächsten Blog werden wir sehen, wer sich noch aller einen Platz verdient hat, in dem Line-Up, das nie zustande kommen wird, aber dennoch grandios wäre.
Ich betäube mich – Sebastian Hackert verstorben
Die Hamburger Band Deichkind ist für ihre gute Laune und ihre atemberaubenden Bühnenshows bekannt. Doch zurzeit gehen sie es ruhiger an.
Gründungsmitglied und Produzent Sebastian Hackert wurde am 21. Februar 2009 tot in seiner Wohnung aufgefunden. Er wurde nur 32 Jahre alt und hinterlässt nun eine Ehefrau und einen Sohn. Die Todesursache ist noch nicht bestätigt, soll aber vermutlich ein Herzinfarkt gewesen sein.
Hackert war derjenige, der Deichkind zu dem Sound brachte, den sie jetzt haben. Die Band ist berühmt für ihren ausgefallenen Stil, der aus einem Mix von Techno und Rap besteht, und einiges mit der amerikanischen Band Mindless Self Indulgence gemein hat.
Deichkind sind zurzeit wohl am Höhepunkt ihrer Karriere. Mit „Remmidemmi“ haben sie sich einen Platz auf vielen Konzerten und Festivals erkämpft, wo sie mit weiteren eingängigen Liedern wie „Arbeit nervt“, „Aufstand im Schlaraffenland“ und „Ich betäube mich“ die Menge in Schach halten.
Zuletzt standen sie in Innsbruck am Billabong Air&Style auf der Bühne. Obwohl sie nicht Hauptact waren, brachten sie die Menge dennoch heftiger zum Tanzen als die darauffolgenden Mando Diao. In den letzten Monaten waren Deichkind in Österreich, Deutschland und der Schweiz unterwegs.
Wie es jetzt mit Deichkind weitergehen soll, ist noch nicht geklärt.


